Schilddrüsen-Sprechstunde (Hashimoto)
Die Schilddrüse steuert den Stoffwechsel und damit Energie, Wärme, Gewicht, Stimmung, Haut, Haare und Konzentration. Erkrankungen der Schilddrüse, allen voran die Hashimoto-Thyreoiditis, bleiben oft lange unerkannt oder werden allein am TSH-Wert beurteilt. Die Schilddrüse ist einer der Schwerpunkte unserer Praxis.

Warum „normale“ Werte nicht immer genügen
Der TSH-Wert zeigt, wie die Hirnanhangsdrüse die Schilddrüse steuert. Er hängt vor allem davon ab, wie gut die Hirnanhangsdrüse selbst mit aktivem Schilddrüsenhormon versorgt ist, und die stellt sich ihren Anteil weitgehend selbst her. Ein TSH im Zielbereich belegt deshalb, dass die Rückkopplung funktioniert. Ob jedes Gewebe ausreichend versorgt ist, lässt sich daraus nicht sicher ablesen.
Dazu kommt die Umwandlung: Das Speicherhormon T4 wird erst im Gewebe in das aktive T3 überführt. Wie gut das gelingt, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und kann durch Entzündung, Stress, Nährstoffmängel oder Erkrankungen beeinflusst sein.
Deshalb bestimmen wir zusätzlich zur Standarddiagnostik weitere Werte.
Hashimoto ist mehr als ein Hormonmangel
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung. Der Hormonersatz gleicht aus, was die Schilddrüse nicht mehr produziert. Auf die zugrunde liegende Immunreaktion wirkt er nicht. Deshalb beziehen wir Faktoren mit ein, die den Verlauf beeinflussen können: Mikronährstoffversorgung, Darmgesundheit, Ernährung, Stressbelastung und das hormonelle Gesamtbild.
Ehrlich dazu: Dass sich diese Faktoren auf Antikörper und Beschwerden auswirken, ist für einzelne Bausteine untersucht und für andere nicht. Selen etwa senkt in mehreren Studien die Schilddrüsen-Antikörper; ob daraus im Einzelfall ein spürbarer Unterschied für das Befinden folgt, hängt vom Ausgangswert ab und lässt sich nicht pauschal versprechen. Wir supplementieren deshalb nach Befund und nicht nach Schema.
Was wir untersuchen
Wie wir behandeln
Die Standardtherapie ersetzt das Speicherhormon T4. Für die meisten Menschen mit einer Unterfunktion ist das die richtige und ausreichende Behandlung, und dabei bleibt es auch.
Bleiben Beschwerden bestehen, obwohl der TSH-Wert im Zielbereich liegt, gehen wir zwei Schritte. Zuerst suchen wir nach anderen Ursachen: Eisenmangel, Vitamin-D-Mangel, Schlafstörungen, eine belastete Stressachse, depressive Episoden. Das klingt banal, erklärt aber einen großen Teil der Fälle.
Erst danach stellt sich die Frage nach der Einstellung selbst. Je nach Befund kann dann ein Therapieversuch mit einer veränderten Hormonkombination infrage kommen. Welche Präparate dafür in Betracht kommen, besprechen wir persönlich. Dazu gehören auch solche ohne deutsche Zulassung, die nur im Einzelfall ärztlich verordnet und bezogen werden können.
Die Fachgesellschaften beurteilen solche Kombinationen zurückhaltend. In rund vierzehn kontrollierten Studien zeigte sich kein durchgängiger Vorteil gegenüber der Standardtherapie, einzelne Studien fanden Vorteile bei Stimmung, Lebensqualität und Konzentration. Die europäische Leitlinie hält einen Kombinationsversuch bei Patienten, die trotz normwertiger Blutwerte beschwerdebehaftet bleiben, als experimentellen Ansatz für vertretbar. So verstehen wir ihn auch, als Therapieversuch mit offenem Ausgang.
Abrechnung
Die schilddrüsenmedizinische Basisversorgung mit Blutwerten, Ultraschall und Standardmedikation läuft über die gesetzliche oder private Krankenversicherung. Die erweiterte funktionelle Diagnostik und individuelle Therapieversuche sind in der Regel Selbstzahlerleistung oder werden über die private Krankenversicherung abgerechnet; die Einzelheiten stehen in der Therapievereinbarung, die Sie vorher erhalten. Präparate ohne deutsche Zulassung tragen Patienten in der Regel selbst. Die zu erwartenden Kosten nennen wir vorher.
