Aus dem aktuellen Arznei-telegramm zum Thema Hochdosis-Grippeimpfstoffe

Die STIKO empfiehlt Hochdosisimpfstoff seit An-
fang 2021 für alle Personen ab 60 Jahre. Aus randomisierten Vergleichen zwischen trivalenten hochdosierten und trivalenten konventionell dosierten Impfstoffen lässt sich für die höhere Dosis bei Personen ab 65 Jahre zwar ein geringer, aber signifikanter klinischer Vorteil ableiten, allerdings bei häufigeren lokalen und systemischen Störeffekten. Für die tetravalente Hochdosisvakzine fehlen jedoch Belege für einen klinischen Vorteil (vgl. a-t 2020; 51: 81-2).

Die Datenlage für das hierzulande erstmals für die Saison 2021/22 in tetravalenter Version angebotene, mit dem Wirkverstärker MF-59 adjuvantierte FLUAD TETRA ist unbefriedigend (vgl. a-t 2016; 47: 118):

Für diese Vakzine fehlen randomisierte Studien zum klinischen Nutzen im Vergleich mit konventionellem tetravalenten Impfstoff. In nicht randomisierten Studien mit Personen ab 65 Jahre wurden lediglich trivalente Impfstoffe verwendet.

Eine deutlich schlechtere Verträglichkeit der adjuvantierten Vakzine fällt auch hier auf. Eine Postmarketingstudie zum Nachweis der klinischen Wirksamkeit, die die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA nach der dortigen beschleunigten Zulassung der tetravalenten adjuvantierten Vakzine fordert, soll erst 2024 abgeschlossen sein.

Angesichts der insgesamt begrenzten Datenlage (bezgl. der neuen?) Vakzinen halten wir konventionell dosierte nicht adjuvantierte Impfstoffe weiterhin als zur Prophylaxe geeignet.

Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) im Frühjahr 2021 für diesen Herbst auch für Personen ab 60 Jahre die Verwendung regulärer tetravalenter Impfstoffe ermöglicht, etwa bei Nichtverfügbarkeit der einzigen Hochdosis-Vakzine.