Zum Thema Omega-3-Fettsäuren „bringen nichts“ (Zitat SpringerMedizin-Artikel und etliche andere Laienpresse-Artikel)

Ich gebe hier den Kommentar eines der profiliertesten Forscher in Deutschland auf dem Gebiet der Omega-3-Fettsäuren wieder:

„HS-Omega-3 Index – REDUCE-IT vs ASCEND

Sehr geehrter Herr Dr. Rocke,

Omega-3Fettsäuren (EPA und DHA) reduzierten klinische Ereignisse in einer großen Endpunktstudie – man muss es nur richtig machen. REDUCE-IT rekrutierte 8179 kardiovaskuläre Risikopatienten mit und ohne vorhergehendem Ereignis, einem LDL unter Statin von 41-100 mg/dL und Triglyceriden von 150-499 mg/dL. 4 g aufgereinigte Eicosapentaensäure (EPA) pro Tag wurden für die mittlere Dauer von 4,9 Jahren mit Placebo verglichen. Der primäre Endpunkt, eine Kombination von klinisch relevanten Ereignissen wurde durch EPA um relative ca. 25% hochsignifikant reduziert (p<0.001) (MACE: kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt, nicht-tödlicher Schlaganfall, koronare Revaskularisation, instabile Angina Pektoris mit Krankenhausaufnahme). Sekundäre Endpunkte wurden konkordant vermindert. EPA und Placebo waren gleichermaßen verträglich und sicher. Am 10.11.18 werden die Ergebnisse auf dem Kongress der Amerikanischen Kardiologen in Chicago vorgestellt. Entsprechend unseren Überschlagsrechnungen wurde durch die hohe Dosis in REDUCE-IT ein HS-Omega-3 Index um die 9% erreicht, vor allem aber eine recht gute Trennung der HS-Omega-3 Index Werte von Verum und Placebo (5,3%). Genau da hat ASCEND versagt: Der mittlere HS-Omega-3 Index, gemessen von unserem Schwesterlabor in den USA in 1% der Studienteilnehmer, stieg nur von 7,1% auf 9,1%, was signalisiert, dass die Spiegel zwischen Verum und Placebo zu einem hohen Prozentsatz überlappten (1). Die Dosis von ASCEND war mit 0,41 g EPA & 0,34 g DHA am Tag zu klein, um die Spiegel zu trennen, weshalb die Studienergebnisse von ASCEND irrelevant sind. Beide Studienergebnisse bestätigen, was wir schon lange publizieren (2,3): Es muss der HS-Omega-3 Index gemessen werden, damit man weiß, was passiert. Nur dann kann man die Studienergebnisse einordnen. Wir freuen uns darüber, dass sich diese Erkenntnis auch in der klinischen Medizin durchsetzt." Die meisten Studien mit "negativen" Ergebnissen durch Mikronährstofftherapie, die durch die Laienpresse geistern, sind schlicht und einfach miserabel konzipiert und durchgeführt worden. Leider fallen auch weiterhin viele Kollegen auf diese Studien rein und checken die Hintergründe nicht. Hilfestellung bietet hier zB das Standardwerk von Dr.Alan Gaby mit Referenzen zu über 17.500 Studien... ("Nutritional Medicine" 2nd edition 2017)